Der Bayerische Landtag hat am 21.10.1997 Maßnahmen der Lehrerfortbildung betreffend Epilepsieaufklärung an bayerischen Schulen beschlossen (Drs. 13/9272).
Dieser Landtagsbeschluss veranlasste das Staatsministerium für Unterricht und Kultus, dem ISB den Aufrag zu erteilen, eine Handreichung zum Thema Epilepsie zu erstellen
Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten werden vermehrt mit gesundheitlichen Problemen der Schülerinnen und Schüler und deren Folgen für den Unterricht und für außerunterrichtliche Aktivitäten der Schulen konfrontiert. Eltern verlangen häufiger als früher, dass in der Schule auf die speziellen Probleme ihrer Kinder Rücksicht genommen wird. In der Schule sind krankheitsbedingte Probleme bekannt, die man mit Blick auf das Wohlergehen von Kindern nicht ignorieren kann. Neben Problemen, die den Bereichen Aufmerksamkeitsstörungen/Hyperaktivität oder Legasthenie zugeordnet werden, werden Krankheiten wie Epilepsie, Diabetes, Asthma, Allergien und verschiedene Stoffwechselkrankheiten aufgeführt. Manche dieser Krankheiten treten bei einem relativ großen Teil der Kinder auf - und dies, wie es scheint in zunehmendem Maße - andere kommen sehr selten vor, sind aber dennoch für den Umgang mit diesen Kindern für Lehrerinnen und Lehrer relevant.
Eine eigene Handreichung zu jedem dieser Krankheitsbilder erscheint wenig hilfreich und erweckt den Anschein, dass die Aufgaben der Schule unter der Hand ausgeweitet werden. Die im Einzelnen wertvollen Informationen laufen Gefahr, in der Fülle der Materialien, die Schulen bekommen, unterzugehen. Aus diesem Grund stellt das ISB die Informationen zum Thema Krankheit und Schule in seine Webseite, wo sie jederzeit abgerufen werden können. Lehrerinnen und Lehrer werden eigenverantwortlich je nach Bedarf auf diese Informationen zurückgreifen und Hinweise auf weitere Quellen finden.
Weitere Hinweise zum Unterricht und zur Förderung kranker Schülerinnen und Schüler finden Sie in der Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 25. Januar 1999 Nr. IV/10 -S8230 - 4/151 712(98).
Aufgrund der Erfahrungen, die das ISB bei der Bearbeitung der Themen Hyperaktivität und Autismus gemacht hat, schlug es dem Ministerium eine Erweiterung des Auftrags vor, um generell Fragen zum Thema Krankheit und Schule zu bearbeiten. Mit KMS III/10-P4100-8/101 501 vom 17.07.1998 stimmte das Ministerium diesem Vorschlag zu.
Fortschritte der Medizin machen es möglich, dass Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen heute vielfach die allgemeine Schule besuchen können. Ihr Schulalltag unterscheidet sich zum Teil jedoch ganz wesentlich von dem der Klassenkameraden:
-
sie fehlen häufiger, weil immer wieder Behandlungen in der Klinik notwendig werden
-
sie müssen sich an strenge medizinische Behandlungspläne halten - auch während des Schulalltags
-
sie fühlen sich körperlich und psychisch eingeschränkt
-
sie sind häufig müde und dadurch unkonzentriert
-
sie leiden unter Schmerzen
-
sie leiden darunter, nicht wie die anderen zu sein, nicht an allem teilnehmen zu dürfen.
Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten erleiden schwerwiegende Einschränkungen in ihrer Lebensqualität. Aber nicht nur die jungen Patienten erleben einen anderen Alltag, sondern auch ihre Familien. Die Eltern sind durch die ständige Sorge um das kranke Kind stark belastet und auch für die Geschwister ergibt sich eine schwierige Lage.
Berücksichtigt die Schule die speziellen Umstände des Kindes und unterstützt sie das kranke Kind behutsam, dann kann die Schule für dieses Kind zu einem Ort werden, der noch am ehesten seinem Wunsch nach Normalität entspricht, dem Wunsch ein ganz "normales" Kind zu sein - nicht immer nur Patient. In der Schule können die Kinder im rechten Maße gefordert werden, sie müssen und können etwas leisten, sie können sich und anderen beweisen, dass es jenseits der Krankheit auch für sie noch ein anderes Leben gibt.
Zu einem solchen Ort kann die Schule aber nur dann werden, wenn Lehrkräfte um die Krankheiten des Kindes und seine daraus resultierenden Lebensbedingungen wissen; wenn sie abschätzen können, wie viel Forderung oder wie viel Rücksichtnahme und Schonung dieses Kind braucht. Um das zu erfahren, sind Gespräche notwendig. Gespräche mit den Eltern und dem Kind, Gespräche mit dem behandelnden oder einem anderen Arzt, der Informationen zur Krankheit im Allgemeinen oder speziell zu diesem Kind geben kann. Unter Umständen sind auch Gespräche mit Therapeuten notwendig, die Lehrerinnen und Lehrern über Unsicherheiten und Ängste im Umgang mit kranken - manchmal sogar todkranken - Kindern hinweghelfen können.