Chronisch kranke Kinder : Krankheitsbilder : Epilepsie : Einteilung der Epilepsien
Einteilung der Epilepsien
Epilepsien werden einerseits nach ihrer Ursache, andererseits nach ihrem Erscheinungsbild eingeteilt.
Bezüglich der Ursache ist eine Dreiteilung üblich
Bezüglich der Ursache ist eine Dreiteilung üblich
Symptomatisch: die Ursache der Epilepsie ist bekannt, z.B. Hirnverletzung
Idiopathisch: die Ursache der Epilepsie ist eine erblich erhöhte Anfallsbereitschaft, wobei ein unbekannter Auslösefaktor hinzu kommt.
Kryptogen: Es kann nach heutigem Wissen keine Ursache gefunden werden, es wird jedoch eine unbekannte Störung (z.B. Stoffwechsel) vermutet.
Die Einteilung bezüglich des Erscheinungsbildes lässt sich aus folgender Graphik entnehmen
Grand mal-Anfall
Der bekannteste Anfall ist der Grand mal-Anfall. Mit ihm werden Epilepsien in der landläufigen Meinung verbunden. Er verursachte die Bezeichnung "Krampfanfall".
Der Grand mal-Anfall verläuft in mehreren Phasen, die teilweise auch übersprungen werden können:
Der Grand mal-Anfall verläuft in mehreren Phasen, die teilweise auch übersprungen werden können:
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Aura: manche Patienten verspüren ein Vorgefühl (die sog. Aura), meist unbestimmt, nicht richtig einzuordnen. Streng genommen handelt es sich hier um einen einfach fokalen Anfall und somit um einen sekundär generalisierten Anfall.
- Dauer: unterschiedlich lang, Sekunden bis Minuten.
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Tonische Phase: Sämtliche Muskeln des Körpers versteifen sich plötzlich gleichzeitig. Der Patient ist bewusstlos. Durch die Muskelversteifung kommt es beim stehenden Patienten zum Sturz, je nach Atemlage wird die Luft aus der Lunge durch die geschlossene Stimmritze gepresst (Initialschrei), u. U. beißt sich der Patient auf die Zunge. Da beim Sturz Abwehrreflexe fehlen, kann es zu schweren Verletzungen kommen.
- Dauer: meist Sekunden bis Sekundenbruchteile. Tonische Phase oft nicht erkennbar.
- (Atonische Phase: Anstelle der Tonuserhöhung kann es auch zum Tonusverlust kommen, der Patient ist schlaff, bewusstlos und atmet nicht.)
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Klonische Phase: Die Beuger und Strecker ziehen sich in rhythmischen Abständen abwechselnd zusammen, es kommt zu rhythmischen Zuckungen, nicht nur der Arme und Beine, sondern auch z.B. der Zunge, wodurch Schaum vor den Mund treten kann (aufgeschlagener Speichel). Die Atemmuskulatur wird nicht ausreichend eingesetzt, so dass es zur Blauverfärbung der Lippen, ggf. auch des Gesichtes kommen kann.
- Dauer: Sekunden bis meist unter 3 Minuten.
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Erholungsphase: Das Gehirn hat sehr viel Energie verbraucht, die Nervenzellen sind entladen, der Patient versinkt in einen Tiefschlaf.
- Dauer: sehr unterschiedlich, Sekunden bis Stunden.
Petit mal-Anfall
Petit mal-Anfälle erscheinen weniger dramatisch und werden daher oft nicht als Epilepsie angesehen, die Anfälle häufig übersehen.
Häufigste Formen im Schulalter sind:
Häufigste Formen im Schulalter sind:
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Absencen
Absencen sind kurze Bewusstseinspausen. Sie wurden in der Literatur im Struwwelpeter in Form des "Hans guck in die Luft" beschrieben: Der Blick wird leer, vereinzelt wird der Kopf zurückgeneigt, die Lider blinzeln im Takt von 3/sec, die Kinder sind für die Dauer des Anfalls bewusstlos, können jedoch automatische Dinge (Radfahren, Laufen ...)weiter ausführen oder halten kurz inne. Ohne Übergang wird die angefangene Tätigkeit wieder aufgenommen. Der Anfall dauert meist nur sehr kurz und kann leicht übersehen werden. Im Schulkindalter sind jedoch Serien von Anfällen häufig, d. h. es folgen mehrere Anfälle auf einander. Die meisten Anfälle treten in den Morgen- und Abendstunden sowie bei Ruhe und Langeweile auf. Die Kinder wissen von den Anfällen meist nichts, es sei denn, die Bewusstseinspause macht sich durch eine Veränderung der Umgebung bemerkbar.
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Myoklonische Anfälle
Myoklonische Anfälle treten vorzugsweise im Jugendalter auf, es handelt sich um kurze Zuckungen des Schultergürtelbereichs. Meist werden die Anfälle in der ersten Stunde nach dem Erwachen beobachtet, sie stören dann beim Zähneputzen und Frühstücken durch Wegschleudern von Gegenständen.
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Myoklonisch astatische Anfälle
Myoklonisch astatische Anfälle sind eine Anfallsform des Kleinkindes- und Kindergartenalters: Die Kinder knicken in den Knien ein und stürzen dabei hin. Oft ist der Anfall mit dem Sturz auch bereits beendet, nur in wenigen Fällen kommt es anschließend noch zu vereinzelten Zuckungen. Die Kinder werden durch die häufigen Stürze verunsichert und zeigen einen breitbasigen Gang, Krabbeln wird lange bevorzugt.
Einfach fokale Anfälle
Einfach fokale Anfälle werden ebenfalls häufig nicht als epileptische Anfälle erkannt. Sie können ein "buntes Bild" darstellen, je nach der Hirnregion, die am Anfallsgeschehen teilnimmt. Da der "Herd" jedoch in der Regel bei dem einzelnen Patienten an einer bestimmten Stelle sitzt, sind diese Anfälle bei der einzelnen Person meist gleichförmig.
Man unterscheidet die Anfälle nach dem Ursprungsort und der Erscheinungsform:
Man unterscheidet die Anfälle nach dem Ursprungsort und der Erscheinungsform:
- Motorisch: Es kommt zu Bewegungen in einer Muskelgruppe
- Sensorisch: Es werden Gefühle wahrgenommen, die keinem äußeren Reiz entsprechen
- Sensibel: Sinneswahrnehmung ohne Entsprechung
- Vegetativ: z. B. Herzrasen, Schwitzen
- Psychisch: z. B. Angstgefühle, Aggression, Trauer.
Komplex fokale Anfälle
Bei komplex fokalen Anfällen sind mehrere Hirnbereiche betroffen, das Bewusstsein ist eingeschränkt, aber nicht völlig erloschen. So kann es z.B. zu scheinbar sinnvollen Reaktionen kommen. Der Patient kann Abwehrreaktionen zeigen, die jedoch reflexartig und nicht durchdacht sind. Meist werden Nesteln, Schmatzen, Mundbewegungen (orale Automatismen) aus dem Bereich der Nahrungsaufnahme beobachtet. Es können jedoch auch szenische Abläufe wie Ausziehen (auch in der Öffentlichkeit) oder Suchen erfolgen. Mechanische Handlungen können ausgeführt werden, d. h. man kann z.B. einen Patienten u.U. in einen anderen Raum geleiten.
