Chronisch kranke Kinder : Krankheitsbilder : Neurodermitis
Neurodermitis
Was ist die Neurodermitis?
Die Neurodermitis (auch atopisches Ekzem, atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Die Lokalisation und das klinische Bild zeigen Änderungen in Abhängigkeit zum Lebensalter. Das führende klinische Symptom ist der quälende Juckreiz.
Wie häufig ist die Neurodermitis?
Die Neurodermitis ist eine häufige und im Kindesalter sogar die häufigste Hauterkrankung. In den letzten zwei Jahrzehnten hat das Auftreten der Neurodermitis wie auch des allergischen Asthmas und des allergischen Heuschnupfens weltweit zugenommen. Aufgrund aktueller dermatologischer Untersuchungen leiden in Deutschland bei den Erwachsenen zwischen 2,5 und 3,4% und bei Vorschulkindern zwischen 11,3 und 12,9% an Neurodermitis.
Was sind die Gründe für den Anstieg der Neurodermitishäufigkeit?
Die Gründe für den Anstieg der Neurodermitis sind bisher nicht geklärt. Die Ergebnisse zahlreicher epidemiologischer Untersuchungen haben zu verschiedenen Hypothesen geführt (siehe Tabelle 1). Keine dieser Hypothesen gilt jedoch heute als gesichert. Sie alle müssen durch weitere Studien überprüft werden, wobei für die Zunahme mehrere Faktoren gleichzeitig von Bedeutung sein können.
Die genetische Veranlagung spielt eine zentrale Rolle. Eine familiäre Belastung mit Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis (Neurodermitis, Asthma bronchiale, Rhinoconjunctivitis allergica) stellt den wichtigsten bekannten Risikofaktor für die Entwicklung einer Neurodermitis dar. Zwillingsstudien, die mit ein- (genetisch identisch) und zweieiigen (lediglich 50%ige genetische Übereinstimmung) Zwillingen durchgeführt wurden, zeigten, dass eine Neurodermitis bei circa 85% der eineiigen und nur bei circa 20% der zweieiigen Zwillinge auftrat, was die genetische Basis dieser Erkrankungen bestätigt. Bisher konnte jedoch kein dominierendes "Atopie-Gen" identifiziert werden. Die genetische Prädisposition für die Entwicklung einer Neurodermitis wird mit großer Wahrscheinlichkeit polygen vererbt, d. h. vermutlich sind auf verschiedenen Chromosomen lokalisierte Gene für die Neurodermitis verantwortlich. Die für die Neurodermitishaut typische ausgeprägte Hauttrockenheit - "Sebostase" - weist auf Störungen im Bereich der Hautbarrierefunktion hin, wobei u. a. Störungen in der Zusammensetzung der Hautfette für den Neurodermitiker charakteristisch sind.
In der chronischen Phase der Neurodermitis sind möglicherweise Autoimmunmechanismen für die Aufrechterhaltung der Hauterkrankung verantwortlich, worauf spezielle Autoantikörper im Serum von Patienten mit Neurodermitis hinweisen.
Die bei der Neurodermitis gezeigte Beeinflussung allergischer und entzündlicher Prozesse durch Neuropeptide legt eine Beteiligung des neurohumoralen Systems in der Pathogenese nahe.
Wie sieht die Neurodermitis aus?
Bei Schulkindern finden sich v. a. typische rötlich-schuppende Veränderungen im Bereich der großen Beugen (Ellenbeuge, Kniekehle). Juckreizbedingt finden sich in den betroffenen Arealen typischerweise aufgekratzte, teilweise auch nässende Hautveränderungen. Häufig zeigt sich auch ein Befall anderer Areale wie beispielsweise der Augenregion. In schweren Fällen können die Hautveränderungen auch große Teile des Körpers befallen, in schwersten Fällen ist auch ein generalisierter Befall möglich. Nach längerem Bestehen einer Neurodermitis kommt es auch zu einer Vergröberung des Hautreliefs im Sinne einer sogenannten Lichenifikation (Vergröberung des Hautreliefs).
Die Neurodermitis - eine provozierbare Erkrankung!
Wie die Zwillingsstudien auch zeigten, wird das Merkmal Neurodermitis nicht in 100% der Fälle vererbt. Dies weist darauf hin, dass für den Ausbruch der Erkrankung Faktoren aus der Umwelt eine Rolle spielen, die sog. Provokationsfaktoren, die nachfolgend aufgelistet sind.
Basis eines individuell abgestimmten Therapiekonzepts ist neben der stadiengerechten Behandlung eine intensive Abklärung der individuell relevanten Provokationsfaktoren. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den Betroffenen die unterschiedlichen spezifischen und unspezifischen Provokationsfaktoren aufzudecken und Strategien zu ihrer konsequenten Vermeidung zu entwickeln.
1. Hautpflege als wichtiger Bestandteil des Behandlungskonzeptes
Trockene Haut ist ein typisches klinisches Kennzeichen von Patienten mit Neurodermitis. Die Basistherapie zielt auf eine Wiederherstellung einer intakten Hautbarriere. Sie umfasst den regelmäßigen Einsatz von überwiegend wirkstofffreien Cremes oder Salben, den sog. Basisexterna. Die Auswahl der entsprechenden Grundlage erfolgt immer in Abhängigkeit vom klinischen Bild.
Die Basisexterna erhöhen die Hautfeuchtigkeit. Zum Baden sollten ausschließlich Ölbäder verwendet werden. Ein optimales Basistherapeutikum sollte frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein, um Kontaktsensibilisierungen zu vermeiden. Da die Wirksamkeit der Basistherapie von der regelmäßigen Anwendung abhängt, ist die individuelle Akzeptanz entscheidend.
Den Basisexterna können zur Verbesserung der Hautfeuchte Feuchthaltefaktoren, sog. "moisturizer" zugesetzt werden. V. a. Harnstoff wird wegen seiner schuppenlösenden und juckreizlindernden Eigenschaften bevorzugt in der Behandlung der Neurodermitis eingesetzt. Bei Kleinkindern führt Harnstoff durch das für ihn typische kurzzeitige Stechen auf der Haut ("stinging") häufig zu einer Ablehnung harnstoffhaltiger Basisexterna, so dass wir bis zum 5. Lebensjahr in der Regel auf harnstoffhaltige Präparate verzichten. Auch reizt Harnstoff beim Auftragen auf nässende Ekzemherde.
2. Antiekzematöse Behandlung
Auch unter einer optimalen Basistherapie ist das Auftreten ekzematöser Veränderungen nicht vollständig zu verhindern und charakterisiert den wechselhaften Verlauf der Erkrankung. Die Behandlung der ekzematösen Veränderungen richtet sich nach Schwere- und Befallsgrad.
3. Topische antientzündliche Behandlung
Glukokortikoide (Kortison)
Topische Glukokortikoide bilden aufgrund ihrer hohen entzündungshemmenden Wirkung weiterhin die Basis der Therapie ekzematöser Hautveränderungen. Heute stehen Kortisonpräparate mit verbessertem Nutzen-Risiko-Profil, das heißt für die Neurodermitis mit hoher antientzündlicher Aktivität bei geringer hautverdünnernder Wirkung zur Verfügung. Das Ausschleichen der topischen Glukokortikoide kann in Form der "Stufentherapie" mit Präparaten abnehmender Wirkstärke oder als "Intervalltherapie" durch Anwendung des gleichen Präparates in verlängerten zeitlichen Abständen erfolgen.
Glukokortikoid-Alternativen
Bufexamac-, Gerbstoff-, Ammoniumbituminolsulfonat- sowie aus Pflanzen gewonnene Externa stehen als Alternativen für eine steroidfreie Behandlung zur Verfügung, erreichen jedoch nicht die Wirkstärke der neuen Glukokortikoidzubereitungen und eignen sich nicht für die wirksame Behandlung eines akuten Schubes.
4. Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Sehr schwere Fälle, die jedoch sehr selten sind, bedürfen gelegentlich auch einer innerlichen medikamentösen Behandlung, vorzugsweise mit Antikrebsmitteln, wobei die Einnahme dieser Medikamente jedoch auch mit Nebenwirkungen verbunden sein kann. Eine Behandlung mit Ultraviolettstrahlen (UV-Phototherapie) ist zwar wirksam, wird jedoch bei Kindern nicht durchgeführt, da es zu Langzeitschäden (Hautkrebs!) kommen kann.
5. Antipruriginöse Maßnahmen
Der quälende Juckreiz ist für viele Patienten mit Neurodermitis das beherrschende Problem, welches bisher nicht befriedigend behandelbar ist. Histaminrezeptorenblocker (Antihistaminika) haben ihren Platz zur Bekämpfung des Juckreizes bei der Behandlung der Neurodermitis. Aus unserer Sicht sind die älteren, müdemachenden Antihistaminika, abends eingesetzt, zu bevorzugen.
Was ist bei Kindern mit Neurodermitis von Seiten des Lehrers zu beachten?
1. Neurodermitis ist keine ansteckende Erkrankung
Isolierungsmaßnahmen sind bei an Neurodermitis erkrankten Kindern nicht notwendig. Die Wahl des Sitznachbarn kann uneingeschränkt erfolgen.
2. Teilnahme am Sportunterricht
Kinder mit Neurodermitis sollen Sport treiben. Starke, mit vermehrtem Schwitzen einhergehende sportliche Aktivität kann jedoch zu verstärktem Juckreiz führen. Sehr sinnvoll wäre es für die Betroffenen, unmittelbar nach dem Sport sich kurz abzuduschen und anschließend mit einem Hautpflegepräparat einzucremen. Hierfür notwendige Einrichtungen (abgeschlossener Duschraum) wären wünschenswert. Bei manchen Kindern stellen Allergene aus der Umwelt wie bestimmte Baum- oder Gräserpollen einen wichtigen Provokationsfaktor dar (sog. exogen-getriggerte Neurodermitis).
Für diese Kinder kann eine Befreiung vom Sportunterricht im Freien zu den individuell belastenden Pollenflugzeiten sinnvoll sein.
3. Teilnahme am Schwimmunterricht
Eine Teilnahme am Schwimmunterricht ist prinzipiell möglich, wenn keine gegenteilige ärztliche Stellungnahme vorliegt. Das Kind muss jedoch die Möglichkeit erhalten, sich unmittelbar vor dem Schwimmen sowie v. a. nach dem Schwimmen am ganzen Körper einzucremen, um der durch den langen Aufenthalt im Wasser eingetretenen verstärkten Austrocknung der Haut entgegenzuwirken.
4. Häufigere Fehlzeiten
Kinder mit Neurodermitis können als Komplikationen der Erkrankung eine bakterielle (sog. impetiginisierte Neurodermitis) oder eine virale Hautinfektion (sog. Eczema herpeticatum) entwickeln. Bei beiden Erkrankungen kann es zum Auftreten von hohem Fieber verbunden mit einem allgemeinen Krankheits- und Schwächegefühl kommen, das einen circa 1-wöchigen Schulausfall nach sich zieht. Leider neigen manche Kinder mit Neurodermitis zu einem gehäuften Auftreten dieser Erkrankungen.
5. Häufigere Unkonzentriertheit
Das Bild der Neurodermitis wechselt häufig sehr rasch. Phasen der Besserung wechseln mit Phasen eines schlechten Befindens der Haut sowie der allgemeinen psychischen Lage. Juckreiz ist das führende subjektive Symptom der Erkrankung. Dieser quälende Juckreiz, der v. a. nachts auftritt, führt häufig zu Schlafverlust und sehr unruhigen Nächten. Deren Folge ist am nächsten Morgen eine ausgeprägte Müdigkeit und ein reduziertes Konzentrationsvermögen.
6. Stress durch Prüfungen oder Probleme mit Lehrern sowie Schulkameraden als Ursache von akuten Schüben der Neurodermitis
Eine Schubauslösung durch psychische Belastungen ist ein häufig zu beobachtendes Phänomen. Stress im Rahmen einer Schulaufgabe wird häufig mit verstärktem Juckreiz beantwortet.
7. Spezielle Diätvorschriften
Nahrungsmittelallergien als Ursache einer Neurodermitis kommen zwar vor, sind jedoch viel seltener als allgemein angenommen. Wurden bestimmte Nahrungsmittelallergene als Auslöser der Neurodermitis erkannt, muss das Kind die Produkte, die diese Allergene enthalten, meiden. Dies kann beispielsweise den Verzicht auf milcheiweißhaltige Nahrungsmittel bedeuten. Bei gemeinsamen Feiern in der Schule oder Schullandaufenthalten kann es deshalb vorkommen, dass das an Neurodermitis erkrankte Kind auf bestimmte Speisen oder Getränke verzichten muss .
Bei Kindern mit einer schweren Neurodermitis sollten mit Zustimmung der Eltern und des Kindes auch die Klassenkameraden über die besondere Situation informiert werden. In der Regel ist der behandelnde Arzt hierzu auch bereit.
Die Neurodermitis (auch atopisches Ekzem, atopische Dermatitis oder endogenes Ekzem) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Die Lokalisation und das klinische Bild zeigen Änderungen in Abhängigkeit zum Lebensalter. Das führende klinische Symptom ist der quälende Juckreiz.
Wie häufig ist die Neurodermitis?
Die Neurodermitis ist eine häufige und im Kindesalter sogar die häufigste Hauterkrankung. In den letzten zwei Jahrzehnten hat das Auftreten der Neurodermitis wie auch des allergischen Asthmas und des allergischen Heuschnupfens weltweit zugenommen. Aufgrund aktueller dermatologischer Untersuchungen leiden in Deutschland bei den Erwachsenen zwischen 2,5 und 3,4% und bei Vorschulkindern zwischen 11,3 und 12,9% an Neurodermitis.
Was sind die Gründe für den Anstieg der Neurodermitishäufigkeit?
Die Gründe für den Anstieg der Neurodermitis sind bisher nicht geklärt. Die Ergebnisse zahlreicher epidemiologischer Untersuchungen haben zu verschiedenen Hypothesen geführt (siehe Tabelle 1). Keine dieser Hypothesen gilt jedoch heute als gesichert. Sie alle müssen durch weitere Studien überprüft werden, wobei für die Zunahme mehrere Faktoren gleichzeitig von Bedeutung sein können.
- Umwelthypothese - Höhere Ekzemhäufigkeit in den neuen Bundesländern, wobei Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid, Tabakrauch oder Stickstoffoxid von Bedeutung sind
- "Urwald"- oder Infektionshypothese - Im frühen Kindesalter durchgemachte Infektionen viraler (Hepatitis A, Masern) oder bakterieller (Tuberkulose) Genese verringern das Auftreten atopischer Erkrankungen
- Sozialstatushypothese - Ekzemerkankungen treten häufiger in Familien mit einem höheren sozialen Status auf
Die genetische Veranlagung spielt eine zentrale Rolle. Eine familiäre Belastung mit Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis (Neurodermitis, Asthma bronchiale, Rhinoconjunctivitis allergica) stellt den wichtigsten bekannten Risikofaktor für die Entwicklung einer Neurodermitis dar. Zwillingsstudien, die mit ein- (genetisch identisch) und zweieiigen (lediglich 50%ige genetische Übereinstimmung) Zwillingen durchgeführt wurden, zeigten, dass eine Neurodermitis bei circa 85% der eineiigen und nur bei circa 20% der zweieiigen Zwillinge auftrat, was die genetische Basis dieser Erkrankungen bestätigt. Bisher konnte jedoch kein dominierendes "Atopie-Gen" identifiziert werden. Die genetische Prädisposition für die Entwicklung einer Neurodermitis wird mit großer Wahrscheinlichkeit polygen vererbt, d. h. vermutlich sind auf verschiedenen Chromosomen lokalisierte Gene für die Neurodermitis verantwortlich. Die für die Neurodermitishaut typische ausgeprägte Hauttrockenheit - "Sebostase" - weist auf Störungen im Bereich der Hautbarrierefunktion hin, wobei u. a. Störungen in der Zusammensetzung der Hautfette für den Neurodermitiker charakteristisch sind.
In der chronischen Phase der Neurodermitis sind möglicherweise Autoimmunmechanismen für die Aufrechterhaltung der Hauterkrankung verantwortlich, worauf spezielle Autoantikörper im Serum von Patienten mit Neurodermitis hinweisen.
Die bei der Neurodermitis gezeigte Beeinflussung allergischer und entzündlicher Prozesse durch Neuropeptide legt eine Beteiligung des neurohumoralen Systems in der Pathogenese nahe.
Wie sieht die Neurodermitis aus?
Bei Schulkindern finden sich v. a. typische rötlich-schuppende Veränderungen im Bereich der großen Beugen (Ellenbeuge, Kniekehle). Juckreizbedingt finden sich in den betroffenen Arealen typischerweise aufgekratzte, teilweise auch nässende Hautveränderungen. Häufig zeigt sich auch ein Befall anderer Areale wie beispielsweise der Augenregion. In schweren Fällen können die Hautveränderungen auch große Teile des Körpers befallen, in schwersten Fällen ist auch ein generalisierter Befall möglich. Nach längerem Bestehen einer Neurodermitis kommt es auch zu einer Vergröberung des Hautreliefs im Sinne einer sogenannten Lichenifikation (Vergröberung des Hautreliefs).
Die Neurodermitis - eine provozierbare Erkrankung!
Wie die Zwillingsstudien auch zeigten, wird das Merkmal Neurodermitis nicht in 100% der Fälle vererbt. Dies weist darauf hin, dass für den Ausbruch der Erkrankung Faktoren aus der Umwelt eine Rolle spielen, die sog. Provokationsfaktoren, die nachfolgend aufgelistet sind.
- Irritativ - u. a. Waschgewohnheiten, Wasserhärte, Kleidung, Klima
- Allergisch - u. a.Aeroallergene (Hausstaubmilben, Pollen, Tierepithelien)Nahrungsmittel
- Andere - u. a. psychische Faktoren
Basis eines individuell abgestimmten Therapiekonzepts ist neben der stadiengerechten Behandlung eine intensive Abklärung der individuell relevanten Provokationsfaktoren. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den Betroffenen die unterschiedlichen spezifischen und unspezifischen Provokationsfaktoren aufzudecken und Strategien zu ihrer konsequenten Vermeidung zu entwickeln.
1. Hautpflege als wichtiger Bestandteil des Behandlungskonzeptes
Trockene Haut ist ein typisches klinisches Kennzeichen von Patienten mit Neurodermitis. Die Basistherapie zielt auf eine Wiederherstellung einer intakten Hautbarriere. Sie umfasst den regelmäßigen Einsatz von überwiegend wirkstofffreien Cremes oder Salben, den sog. Basisexterna. Die Auswahl der entsprechenden Grundlage erfolgt immer in Abhängigkeit vom klinischen Bild.
Die Basisexterna erhöhen die Hautfeuchtigkeit. Zum Baden sollten ausschließlich Ölbäder verwendet werden. Ein optimales Basistherapeutikum sollte frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein, um Kontaktsensibilisierungen zu vermeiden. Da die Wirksamkeit der Basistherapie von der regelmäßigen Anwendung abhängt, ist die individuelle Akzeptanz entscheidend.
Den Basisexterna können zur Verbesserung der Hautfeuchte Feuchthaltefaktoren, sog. "moisturizer" zugesetzt werden. V. a. Harnstoff wird wegen seiner schuppenlösenden und juckreizlindernden Eigenschaften bevorzugt in der Behandlung der Neurodermitis eingesetzt. Bei Kleinkindern führt Harnstoff durch das für ihn typische kurzzeitige Stechen auf der Haut ("stinging") häufig zu einer Ablehnung harnstoffhaltiger Basisexterna, so dass wir bis zum 5. Lebensjahr in der Regel auf harnstoffhaltige Präparate verzichten. Auch reizt Harnstoff beim Auftragen auf nässende Ekzemherde.
2. Antiekzematöse Behandlung
Auch unter einer optimalen Basistherapie ist das Auftreten ekzematöser Veränderungen nicht vollständig zu verhindern und charakterisiert den wechselhaften Verlauf der Erkrankung. Die Behandlung der ekzematösen Veränderungen richtet sich nach Schwere- und Befallsgrad.
3. Topische antientzündliche Behandlung
Glukokortikoide (Kortison)
Topische Glukokortikoide bilden aufgrund ihrer hohen entzündungshemmenden Wirkung weiterhin die Basis der Therapie ekzematöser Hautveränderungen. Heute stehen Kortisonpräparate mit verbessertem Nutzen-Risiko-Profil, das heißt für die Neurodermitis mit hoher antientzündlicher Aktivität bei geringer hautverdünnernder Wirkung zur Verfügung. Das Ausschleichen der topischen Glukokortikoide kann in Form der "Stufentherapie" mit Präparaten abnehmender Wirkstärke oder als "Intervalltherapie" durch Anwendung des gleichen Präparates in verlängerten zeitlichen Abständen erfolgen.
Glukokortikoid-Alternativen
Bufexamac-, Gerbstoff-, Ammoniumbituminolsulfonat- sowie aus Pflanzen gewonnene Externa stehen als Alternativen für eine steroidfreie Behandlung zur Verfügung, erreichen jedoch nicht die Wirkstärke der neuen Glukokortikoidzubereitungen und eignen sich nicht für die wirksame Behandlung eines akuten Schubes.
4. Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Sehr schwere Fälle, die jedoch sehr selten sind, bedürfen gelegentlich auch einer innerlichen medikamentösen Behandlung, vorzugsweise mit Antikrebsmitteln, wobei die Einnahme dieser Medikamente jedoch auch mit Nebenwirkungen verbunden sein kann. Eine Behandlung mit Ultraviolettstrahlen (UV-Phototherapie) ist zwar wirksam, wird jedoch bei Kindern nicht durchgeführt, da es zu Langzeitschäden (Hautkrebs!) kommen kann.
5. Antipruriginöse Maßnahmen
Der quälende Juckreiz ist für viele Patienten mit Neurodermitis das beherrschende Problem, welches bisher nicht befriedigend behandelbar ist. Histaminrezeptorenblocker (Antihistaminika) haben ihren Platz zur Bekämpfung des Juckreizes bei der Behandlung der Neurodermitis. Aus unserer Sicht sind die älteren, müdemachenden Antihistaminika, abends eingesetzt, zu bevorzugen.
Was ist bei Kindern mit Neurodermitis von Seiten des Lehrers zu beachten?
1. Neurodermitis ist keine ansteckende Erkrankung
Isolierungsmaßnahmen sind bei an Neurodermitis erkrankten Kindern nicht notwendig. Die Wahl des Sitznachbarn kann uneingeschränkt erfolgen.
2. Teilnahme am Sportunterricht
Kinder mit Neurodermitis sollen Sport treiben. Starke, mit vermehrtem Schwitzen einhergehende sportliche Aktivität kann jedoch zu verstärktem Juckreiz führen. Sehr sinnvoll wäre es für die Betroffenen, unmittelbar nach dem Sport sich kurz abzuduschen und anschließend mit einem Hautpflegepräparat einzucremen. Hierfür notwendige Einrichtungen (abgeschlossener Duschraum) wären wünschenswert. Bei manchen Kindern stellen Allergene aus der Umwelt wie bestimmte Baum- oder Gräserpollen einen wichtigen Provokationsfaktor dar (sog. exogen-getriggerte Neurodermitis).
Für diese Kinder kann eine Befreiung vom Sportunterricht im Freien zu den individuell belastenden Pollenflugzeiten sinnvoll sein.
3. Teilnahme am Schwimmunterricht
Eine Teilnahme am Schwimmunterricht ist prinzipiell möglich, wenn keine gegenteilige ärztliche Stellungnahme vorliegt. Das Kind muss jedoch die Möglichkeit erhalten, sich unmittelbar vor dem Schwimmen sowie v. a. nach dem Schwimmen am ganzen Körper einzucremen, um der durch den langen Aufenthalt im Wasser eingetretenen verstärkten Austrocknung der Haut entgegenzuwirken.
4. Häufigere Fehlzeiten
Kinder mit Neurodermitis können als Komplikationen der Erkrankung eine bakterielle (sog. impetiginisierte Neurodermitis) oder eine virale Hautinfektion (sog. Eczema herpeticatum) entwickeln. Bei beiden Erkrankungen kann es zum Auftreten von hohem Fieber verbunden mit einem allgemeinen Krankheits- und Schwächegefühl kommen, das einen circa 1-wöchigen Schulausfall nach sich zieht. Leider neigen manche Kinder mit Neurodermitis zu einem gehäuften Auftreten dieser Erkrankungen.
5. Häufigere Unkonzentriertheit
Das Bild der Neurodermitis wechselt häufig sehr rasch. Phasen der Besserung wechseln mit Phasen eines schlechten Befindens der Haut sowie der allgemeinen psychischen Lage. Juckreiz ist das führende subjektive Symptom der Erkrankung. Dieser quälende Juckreiz, der v. a. nachts auftritt, führt häufig zu Schlafverlust und sehr unruhigen Nächten. Deren Folge ist am nächsten Morgen eine ausgeprägte Müdigkeit und ein reduziertes Konzentrationsvermögen.
6. Stress durch Prüfungen oder Probleme mit Lehrern sowie Schulkameraden als Ursache von akuten Schüben der Neurodermitis
Eine Schubauslösung durch psychische Belastungen ist ein häufig zu beobachtendes Phänomen. Stress im Rahmen einer Schulaufgabe wird häufig mit verstärktem Juckreiz beantwortet.
7. Spezielle Diätvorschriften
Nahrungsmittelallergien als Ursache einer Neurodermitis kommen zwar vor, sind jedoch viel seltener als allgemein angenommen. Wurden bestimmte Nahrungsmittelallergene als Auslöser der Neurodermitis erkannt, muss das Kind die Produkte, die diese Allergene enthalten, meiden. Dies kann beispielsweise den Verzicht auf milcheiweißhaltige Nahrungsmittel bedeuten. Bei gemeinsamen Feiern in der Schule oder Schullandaufenthalten kann es deshalb vorkommen, dass das an Neurodermitis erkrankte Kind auf bestimmte Speisen oder Getränke verzichten muss .
Bei Kindern mit einer schweren Neurodermitis sollten mit Zustimmung der Eltern und des Kindes auch die Klassenkameraden über die besondere Situation informiert werden. In der Regel ist der behandelnde Arzt hierzu auch bereit.
