Chronisch kranke Kinder : Krankheitsbilder : Essstörungen
Essstörungen
Essstörungen sind im medizinischen Sinn psychische Krankheiten. Zwei Formen spielen eine wichtige Rolle, nämlich die Magersucht (Anorexia nervosa) und die Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa oder Bulimie). Beide Formen können ineinander übergehen. Hauptsächlich betroffen sind Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 30 Jahren. Sehr selten erkranken auch Jungen. Fachleute schätzen die Häufigkeit der Magersucht auf knapp 1 %, die der Bulimie auf 2 bis 5 %.
Für die Diagnose einer Essstörung müssen bestimmte Merkmale vorhanden sein, die in international gebräuchlichen Klassifikationssystemen genau festgelegt sind.
Für die Magersucht gelten folgende Merkmale (gekürzt und vereinfacht):
Nach internationalen Gepflogenheiten wird als Messgrundlage heute der BMI (Body Mass Index) angewandt. Er errechnet sich aus: Körpergewicht (in kg): (Körpergröße - in m - )². Als Normbereich für Frauen gilt ein BMI von 19 bis 24, für Männer ein BMI von 20 bis 24. Übergewicht im Sinne einer Adipositas besteht bei einem BMI von 30 und höher. Der BMI gilt für Erwachsene etwa ab dem 18. Lebensjahr, für Kinder und Jugendliche ab dem 10. Lebensjahr gibt es BMI-Perzentilenkurven für jedes Geschlecht, verwendbar für den Altersbereich von 10 bis 25 Jahren.
Die Bulimie ist folgendermaßen beschrieben:
Die Ursache der Essstörungen ist noch ungeklärt. Nach heutiger Überzeugung müssen verschiedene biologische, persönliche, familiäre und soziokulturelle Faktoren zusammen kommen, damit eine Anorexie oder Bulimie auftritt. Ergebnisse von Familienuntersuchungen und Zwillingsstudien sprechen für eine genetische Disposition, die wahrscheinlich bei der Anorexie stärker ausgeprägt ist als bei der Bulimie.
Es dauert meist viele Monate oder sogar Jahre, bis eine Essstörung erkannt und behandelt wird. Die Betroffenen verstehen es lange Zeit, ihr abnormes Verhalten vor Angehörigen und Freunden hinter einer perfekten Fassade zu verbergen. Um das zu verstehen, ist es notwendig zu begreifen, dass eine sich entwickelnde Essstörung eine zentrale Funktion im Leben dieser jungen Menschen bekommt. Es gibt eine geheime Kraft, ein Gefühl des Triumphes und der Genugtuung, etwas zu erreichen, was so viele erfolglos anstreben, nämlich abzunehmen, eine tolle Figur zu bekommen und dabei fit zu bleiben und ausgezeichnete Leistungen zu erbringen. Auch Hungern wird zur Leistung und erhöht das Selbstwertgefühl, das bei allen Essgestörten kaum entwickelt ist. Bulimische junge Frauen glauben, ein Patentrezept für sich gefunden zu haben, aus Frust, Gier oder Langeweile nach Kränkungen und Verletzungen große Mengen an Essen verschlingen zu können, ohne zuzunehmen. Lange Zeit fühlen sich diese jungen Menschen keineswegs krank. Erst allmählich verändert sich ihr Leben, sie denken nur noch an Essen, Hungern oder Erbrechen, sie verlieren ihre Freunde und Interessen, sie werden traurig und einsam und geraten in große seelische Not.
Dazu kommt, dass auch der Körper allmählich Schaden leidet durch mangelhafte Nahrung, Hungern, durch ständiges Erbrechen und den Missbrauch von Abführmitteln oder entwässernden Medikamenten. Medizinische Komplikationen sind, wenn auch in sehr unterschiedlichem Schweregrad, nahezu unvermeidlich. Sie können fast alle Organsysteme betreffen.
Magersucht und Bulimie haben keine günstige Prognose. Aus der Beobachtung von Krankheitsverläufen über 20 bis 30 Jahren geht hervor, dass etwa ein Viertel der Magersüchtigen "geheilt" sind und weitere 50 % so deutlich gebessert, dass sie mit ihrem Leben einigermaßen zurecht kommen. Die restlichen 25 % sind chronisch krank oder versterben als Folge ihrer Krankheit oder verüben Selbstmord. Zahlenangaben über die Sterblichkeit bei Magersucht schwanken zwischen 6 und 18 %. Für die Bulimie wird eine Mortalitätsrate von bis zu 3 % angegeben. Etwa die Hälfte der bulimischen Patientinnen ist nach einem Verlauf bis zu 10 Jahren symptomfrei, ein Viertel bleibt bulimisch, und bei einem Viertel entwickelt sich eine andere Art von Essstörung.
Es ist aber auch bekannt, dass sich bei etwa einem Viertel der Patientinnen im langfristigen Verlauf an Stelle einer Essstörung andere psychische Erkrankungen entwickelt haben wie Depressionen, Zwangskrankheiten, Angststörungen oder Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen. Auch diese Beobachtungen unterstreichen die Gefährlichkeit von Essstörungen.
Viele Betroffene glauben, sie könnten sich von ihrer Krankheit allein wieder befreien, und lehnen deshalb lange Zeit jede Hilfe ab. Auch Eltern versuchen oft viel zu lange, die Krankheit ihrer Tochter oder ihres Sohnes in der Familie zu bewältigen. Aus der Sicht von Fachleuten kommen kaum Essgestörte rechtzeitig zu einer notwendigen Behandlung.
Die wichtigste Rolle spielen psychotherapeutische Methoden. Verschiedene Verfahren werden angeboten, u. a. Psychoanalyse, Gesprächs- oder Verhaltenstherapie. Die Behandlungen werden ambulant, teilstationär oder stationär durchgeführt und können als Einzel- oder als Gruppentherapie stattfinden. Es ist zu empfehlen, sich über die Möglichkeiten beraten zu lassen.
Eine Behandlung mit Psychopharmaka hat sich generell weder bei der Anorexia nervosa noch bei der Bulimie bewährt. Bei lebensbedrohlichen Zuständen ist eine Überwachung und Behandlung auf einer medizinischen Intensivstation unerlässlich.
Magersucht und Bulimie sind Krankheiten, die zu Rückzug und Isolation, zu einem traurigen, mühseligen Dasein voller Heimlichkeiten, Schuldgefühlen und Scham führen, die körperliche Gesundheit und manchmal auch das Leben bedrohen. Therapeutische Bemühungen können in einem beachtlichen Prozentsatz einen Übergang in einen chronischen Verlauf oder in andere psychische Störungen nicht verhindern. Deshalb gibt es keinen Zweifel an der Notwendigkeit, alles zu versuchen, um die Entwicklung dieser Essstörungen, so gut es geht, zu vermeiden, oder wenigstens Kranke sehr früh in eine Therapie zu bekommen. Primäre und sekundäre Prävention sind also unverzichtbar. Aus der wissenschaftlichen Literatur sind einige Merkmale bekannt, die das Auftreten einer Essstörung - aber auch anderer psychischer Krankheiten - begünstigen. Ein wichtiger so genannter Risikofaktor ist es, schon als Kind oder Jugendliche Diäten zu machen oder zu erbrechen, um einem Schlankheitsideal nachzueifern oder die Figur eines Models zu erreichen. Es ist die Aufgabe von Präventionsprogrammen, Risikofaktoren zu vermindern und schützende Faktoren zu verstärken.
Der Umgang mit Essgestörten, vor allem Magersüchtigen, ist nicht einfach. Das betrifft Eltern ebenso wie Geschwister und Partner, Freundinnen und Freunde, aber auch Lehrerinnen und Lehrer. Sie sehnen sich nach Anteilnahme, möchten aber keinesfalls auf ihr Aussehen und auf Essen angesprochen werden. Wir haben ehemalige Patientinnen gefragt, welchen Umgang sie sich in der Krankheit gewünscht hätten. Hier sind einige ihrer Ratschläge (entnommen aus: Gerlinghoff/Backmund: Was sind Ess-Störungen? (Beltz-Verlag, 2001):
TCE, Schleißheimerstraße 267, 80809 München, Tel. 0 89/35 62 49 - 0, Fax 0 89/35 62 49 - 99
Beratung durch ehemalige Patientinnen: jeden 1. und 3. Samstag nachmittag, 15:00 Uhr, Schopenhauerstraße 97 (Eingang Hanselmannstraße), 80809 München (Psychiatrie 2000 e. V.)
Dr.M.Gerlinghoff/Dr.H.Backmund, März 2001
Für die Diagnose einer Essstörung müssen bestimmte Merkmale vorhanden sein, die in international gebräuchlichen Klassifikationssystemen genau festgelegt sind.
Für die Magersucht gelten folgende Merkmale (gekürzt und vereinfacht):
- Zu niedriges Körpergewicht (BMI < 17,5)
- Große Angst vor einer Gewichtszunahme
- Störung des Körperschemas
- Ausbleiben der Menstruation
Nach internationalen Gepflogenheiten wird als Messgrundlage heute der BMI (Body Mass Index) angewandt. Er errechnet sich aus: Körpergewicht (in kg): (Körpergröße - in m - )². Als Normbereich für Frauen gilt ein BMI von 19 bis 24, für Männer ein BMI von 20 bis 24. Übergewicht im Sinne einer Adipositas besteht bei einem BMI von 30 und höher. Der BMI gilt für Erwachsene etwa ab dem 18. Lebensjahr, für Kinder und Jugendliche ab dem 10. Lebensjahr gibt es BMI-Perzentilenkurven für jedes Geschlecht, verwendbar für den Altersbereich von 10 bis 25 Jahren.
Die Bulimie ist folgendermaßen beschrieben:
- Heißhungeranfälle
- Kompensatorische Maßnahmen zur Vermeidung einer Gewichtszunahme wie: Erbrechen, Einnahme von Abführmitteln oder entwässernden Medikamenten, exzessive Bewegung, Nulldiät
- Frequenz der Heißhungerattacken und der kompensatorischen Maßnahmen mindestens zweimal pro Woche über drei Monate
- Ausgeprägte Abhängigkeit des Selbstwertgefühls von Körpergewicht und Figur
- Die Störung tritt nicht ausschließlich bei einer Episode einer Anorexia nervosa auf
Die Ursache der Essstörungen ist noch ungeklärt. Nach heutiger Überzeugung müssen verschiedene biologische, persönliche, familiäre und soziokulturelle Faktoren zusammen kommen, damit eine Anorexie oder Bulimie auftritt. Ergebnisse von Familienuntersuchungen und Zwillingsstudien sprechen für eine genetische Disposition, die wahrscheinlich bei der Anorexie stärker ausgeprägt ist als bei der Bulimie.
Es dauert meist viele Monate oder sogar Jahre, bis eine Essstörung erkannt und behandelt wird. Die Betroffenen verstehen es lange Zeit, ihr abnormes Verhalten vor Angehörigen und Freunden hinter einer perfekten Fassade zu verbergen. Um das zu verstehen, ist es notwendig zu begreifen, dass eine sich entwickelnde Essstörung eine zentrale Funktion im Leben dieser jungen Menschen bekommt. Es gibt eine geheime Kraft, ein Gefühl des Triumphes und der Genugtuung, etwas zu erreichen, was so viele erfolglos anstreben, nämlich abzunehmen, eine tolle Figur zu bekommen und dabei fit zu bleiben und ausgezeichnete Leistungen zu erbringen. Auch Hungern wird zur Leistung und erhöht das Selbstwertgefühl, das bei allen Essgestörten kaum entwickelt ist. Bulimische junge Frauen glauben, ein Patentrezept für sich gefunden zu haben, aus Frust, Gier oder Langeweile nach Kränkungen und Verletzungen große Mengen an Essen verschlingen zu können, ohne zuzunehmen. Lange Zeit fühlen sich diese jungen Menschen keineswegs krank. Erst allmählich verändert sich ihr Leben, sie denken nur noch an Essen, Hungern oder Erbrechen, sie verlieren ihre Freunde und Interessen, sie werden traurig und einsam und geraten in große seelische Not.
Dazu kommt, dass auch der Körper allmählich Schaden leidet durch mangelhafte Nahrung, Hungern, durch ständiges Erbrechen und den Missbrauch von Abführmitteln oder entwässernden Medikamenten. Medizinische Komplikationen sind, wenn auch in sehr unterschiedlichem Schweregrad, nahezu unvermeidlich. Sie können fast alle Organsysteme betreffen.
Magersucht und Bulimie haben keine günstige Prognose. Aus der Beobachtung von Krankheitsverläufen über 20 bis 30 Jahren geht hervor, dass etwa ein Viertel der Magersüchtigen "geheilt" sind und weitere 50 % so deutlich gebessert, dass sie mit ihrem Leben einigermaßen zurecht kommen. Die restlichen 25 % sind chronisch krank oder versterben als Folge ihrer Krankheit oder verüben Selbstmord. Zahlenangaben über die Sterblichkeit bei Magersucht schwanken zwischen 6 und 18 %. Für die Bulimie wird eine Mortalitätsrate von bis zu 3 % angegeben. Etwa die Hälfte der bulimischen Patientinnen ist nach einem Verlauf bis zu 10 Jahren symptomfrei, ein Viertel bleibt bulimisch, und bei einem Viertel entwickelt sich eine andere Art von Essstörung.
Es ist aber auch bekannt, dass sich bei etwa einem Viertel der Patientinnen im langfristigen Verlauf an Stelle einer Essstörung andere psychische Erkrankungen entwickelt haben wie Depressionen, Zwangskrankheiten, Angststörungen oder Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen. Auch diese Beobachtungen unterstreichen die Gefährlichkeit von Essstörungen.
Viele Betroffene glauben, sie könnten sich von ihrer Krankheit allein wieder befreien, und lehnen deshalb lange Zeit jede Hilfe ab. Auch Eltern versuchen oft viel zu lange, die Krankheit ihrer Tochter oder ihres Sohnes in der Familie zu bewältigen. Aus der Sicht von Fachleuten kommen kaum Essgestörte rechtzeitig zu einer notwendigen Behandlung.
Die wichtigste Rolle spielen psychotherapeutische Methoden. Verschiedene Verfahren werden angeboten, u. a. Psychoanalyse, Gesprächs- oder Verhaltenstherapie. Die Behandlungen werden ambulant, teilstationär oder stationär durchgeführt und können als Einzel- oder als Gruppentherapie stattfinden. Es ist zu empfehlen, sich über die Möglichkeiten beraten zu lassen.
Eine Behandlung mit Psychopharmaka hat sich generell weder bei der Anorexia nervosa noch bei der Bulimie bewährt. Bei lebensbedrohlichen Zuständen ist eine Überwachung und Behandlung auf einer medizinischen Intensivstation unerlässlich.
Magersucht und Bulimie sind Krankheiten, die zu Rückzug und Isolation, zu einem traurigen, mühseligen Dasein voller Heimlichkeiten, Schuldgefühlen und Scham führen, die körperliche Gesundheit und manchmal auch das Leben bedrohen. Therapeutische Bemühungen können in einem beachtlichen Prozentsatz einen Übergang in einen chronischen Verlauf oder in andere psychische Störungen nicht verhindern. Deshalb gibt es keinen Zweifel an der Notwendigkeit, alles zu versuchen, um die Entwicklung dieser Essstörungen, so gut es geht, zu vermeiden, oder wenigstens Kranke sehr früh in eine Therapie zu bekommen. Primäre und sekundäre Prävention sind also unverzichtbar. Aus der wissenschaftlichen Literatur sind einige Merkmale bekannt, die das Auftreten einer Essstörung - aber auch anderer psychischer Krankheiten - begünstigen. Ein wichtiger so genannter Risikofaktor ist es, schon als Kind oder Jugendliche Diäten zu machen oder zu erbrechen, um einem Schlankheitsideal nachzueifern oder die Figur eines Models zu erreichen. Es ist die Aufgabe von Präventionsprogrammen, Risikofaktoren zu vermindern und schützende Faktoren zu verstärken.
Der Umgang mit Essgestörten, vor allem Magersüchtigen, ist nicht einfach. Das betrifft Eltern ebenso wie Geschwister und Partner, Freundinnen und Freunde, aber auch Lehrerinnen und Lehrer. Sie sehnen sich nach Anteilnahme, möchten aber keinesfalls auf ihr Aussehen und auf Essen angesprochen werden. Wir haben ehemalige Patientinnen gefragt, welchen Umgang sie sich in der Krankheit gewünscht hätten. Hier sind einige ihrer Ratschläge (entnommen aus: Gerlinghoff/Backmund: Was sind Ess-Störungen? (Beltz-Verlag, 2001):
- Sprechen Sie mich nicht auf Essen, Figur oder Gewicht an, sondern fragen Sie mich lieber, wie es mir geht, und sagen Sie mir, dass Sie sich sorgen. Da habe ich das Gefühl, Sie haben wirklich Interesse an mir.
- Bleiben Sie in der Ich-Form ("Ich habe den Eindruck, es geht dir nicht gut.")! Da fühle ich mich nicht gleich in die Enge getrieben und kann leichter zugeben, dass wirklich etwas nicht stimmt.
- Ich würde mir wünschen, dass Sie mich nicht ignorieren, sondern mich ansprechen! Schlimmer können Sie die Essstörungen dadurch nicht machen, am schlimmsten ist es für mich, ignoriert zu werden! Ich habe mir die Essstörung als mein "Sprachrohr" genommen, damit ich endlich wahrgenommen werde!
- Reden Sie nicht mit meinen Eltern hinter meinem Rücken! Die Heimlichtuerei verletzt mich.
- Sprechen Sie mich nicht vor der Klasse, vor Mitschülern, anderen Lehrern etc. an. Das ist mir peinlich und gerade vor anderen habe ich gar nicht die Chance zuzugeben, dass etwas nicht stimmt.
- Geben Sie Adressen von Therapiemöglichkeiten weiter. So habe ich die Möglichkeit, zu einem Zeitpunkt, an dem ich zu einer Therapie motiviert bin, mir Hilfe zu suchen.
- Reden Sie nicht mit der Klasse in meiner Abwesenheit! Das ist mir unangenehm und ich fühle mich ausgeschlossen und hintergangen.
- Machen Sie mir ein Angebot zum Reden ("Wenn irgendwas ist, kannst du immer kommen"), denn es fällt mir sehr schwer, selbst um Hilfe zu bitten; und es tut mir gut zu wissen, dass da jemand ist, an den ich mich wenden kann.
- Behandeln Sie das Thema Essstörungen in der Schule nicht als Tabu! Da habe ich noch eher das Gefühl, nicht normal zu sein und meine Krankheit verheimlichen zu müssen. Außerdem schützt Aufklärung in der Schule mich und andere Betroffene vor blöden Kommentaren und Vorurteilen.
- Informieren Sie sich selbst über Essstörungen! Je mehr sie wissen, desto besser können Sie mir/anderen Betroffenen helfen!
- Führen Sie Informationsveranstaltungen an der Schule durch. So sind alle für das Thema Essstörungen sensibilisiert und ich kann eher auf Verständnis und Hilfe hoffen!
- Kontrollen Sie in der Pause nicht mein Essverhalten! Das ist furchtbar erniedrigend für mich und bringt nichts, weil ich nicht mehr normal essen kann und so nur gezwungen werde, Essen verschwinden zu lassen und zu lügen.
- Machen Sie keine abfälligen Bemerkungen über Essgestörte, Figur oder Essverhalten. Das verletzt mich und außerdem fühle ich mich so nicht ernst genommen!
- Ich würde mir wünschen, dass Sie versuchen, mich in die Klasse zu integrieren! Ich will dazugehören und mitmachen, traue mich aber oft nicht, selbst zu fragen oder etwas zu organisieren!
- Seien Sie aufmerksam gegenüber Mobbing der Schüler untereinander und reagieren Sie vor allem darauf! Das macht eine bessere Atmosphäre und vermittelt das Gefühl, im Notfall nicht allein gelassen zu werden. Zudem können Sie schon im Ansatz auf viele Ursachen für die Entstehung einer Essstörung reagieren.
- Behandeln Sie mich nicht wie ein rohes Ei, sondern wie einen normalen Menschen!
- Unterstützen Sie Schüler, die sich unter einen enormen Leistungsdruck stellen nicht noch dabei! Sonst entsteht der Eindruck, dass Anerkennung und Aufmerksamkeit nur von Leistung abhängen.
-
Lassen Sie mich nicht fallen und versuchen Sie es weiter, auch wenn ich zunächst sehr abweisend reagiere. Mir fällt es schwer zuzugeben, dass es mir schlecht geht; außerdem ist es mir peinlich, angesprochen zu werden. Insgeheim freue ich mich aber, dass Sie sich für mich interessieren!
TCE, Schleißheimerstraße 267, 80809 München, Tel. 0 89/35 62 49 - 0, Fax 0 89/35 62 49 - 99
Beratung durch ehemalige Patientinnen: jeden 1. und 3. Samstag nachmittag, 15:00 Uhr, Schopenhauerstraße 97 (Eingang Hanselmannstraße), 80809 München (Psychiatrie 2000 e. V.)
Dr.M.Gerlinghoff/Dr.H.Backmund, März 2001
