Juvenile idiopathische Arthritis (= JIA)
Die auch als kindliches Rheuma bezeichnete juvenile idiopathische Arthritis (= JIA) ist die weitaus häufigste rheumatologische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren.
1. Definition der JIA:
Die JIA ist definiert als eine mehr als 6 Wochen andauernde Entzündung (= Arthritis) an mindestens einem Gelenk. Durch die Entzündung der Gelenkinnenhaut (= Synovitis) kommt es zu Ergussbildung, Überwärmung und schmerzhafter Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenkes. Eine Vielzahl anderer Erkrankungen, welche ebenfalls mit Gelenkbeschwerden einhergehen, müssen gleichzeitig ausgeschlossen werden. Auszuschließen ist vor allem die ´reaktive Arthritis´, welche als Folge einer (viralen bzw. bakteriellen) Infektionen in zeitlichem Abstand auftritt und ohne dauerhafte Gelenkschädigung abklingt.
2. Ursache - Häufigkeit der JIA:
Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren (z.B. genetische Veranlagung, äußere Einflüsse wie Infektionen) zusammentreffen müssen, um diesen Entzündungsprozess auszulösen.
In Deutschland erkranken jährlich ca. 750 – 900 Kinder und Jugendliche an einer JIA, dies entspricht einer Inzidenz (= Häufigkeit der Neuerkrankungen pro Jahr) von ca. 5 - 7 Erkrankungen / 100.000 Kindern und Jugendlichen < 16 Jahre / Jahr. Bundesweit ist insgesamt von 4000 – 5000 betroffenen Kindern auszugehen.
3. Einteilung der JIA:
Die juvenile idiopathische Arthritis stellt kein einheitliches Krankheitsbild dar, sondern wird ausgehend von dem klinischen Erscheinungsbild, der familiären Disposition bzw. spezieller Laborwerte in verschiedene Untergruppen eingeteilt, welche sich auch hinsichtlich der Prognose unterscheiden. Die zur Zeit international gültige Klassifikation ist im Nachfolgenden dargestellt:
Im Verlauf der Erkrankung kann neben den Veränderungen an den Gelenken auch ein Befall anderer Organe auftreten:
Die Prognose der JIA ist von verschiedenen Faktoren abhängig: die jeweilige Untergruppe, die Schwere des Krankheitsverlaufes und eine frühzeitige Diagnose und Therapieeinleitung sind von Bedeutung. Insgesamt ist der Verlauf der JIA deutlich günstiger als die rheumatoide Arthritis der Erwachsenen. Es wird geschätzt, dass ca. 70 % - 90 % der Kinder und Jugendlichen mit einer JIA einen zufriedenstellenden Krankheitsverlauf ohne größere Beeinträchtigungen haben.
6. Therapie der JIA:
Die Therapie der JIA ist komplex und setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: der medikamentösen Therapie, der physikalischen bzw. Ergotherapie sowie der psychosozialen Betreuung.
a. Medikamente:
Ziel der medikamentösen Therapie ist eine Beseitigung der rheumatischen Entzündung in den betroffenen Gelenken. Es werden verschiedene Medikamentengruppen mit unterschiedlicher Wirksamkeit unterschieden:
Die Nebenwirkungen sind dabei je nach Medikament unterschiedlich. Auswirkungen auf den Schulunterricht können dabei die häufiger auftretenden Beschwerden im Magen-Darm-Bereich (z.B. Übelkeit, Bauchschmerzen), seltener Symptome des zentralen Nervensystems (z.B. Konzentrationsstörungen) haben.
B. Physikalische Therapie – Ergotherapie:
Ziel ist es durch eine frühzeitige physikalische Therapie die gelenktypischen Fehlstellungen, welche sich aufgrund der entzündungsbedingten, schmerzentlastenden Schonhaltung entwickeln, zu verhindern bzw. zu korrigieren und damit auch wieder eine normale Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erzielen. Die Voraussetzung hierfür ist die regelmäßige Durchführung der physikalischen Therapie (je nach Krankheitsverlauf mehrmals pro Woche) durch speziell ausgebildete Krankengymnasten/innen. Ergänzend sollte dazu auch zu Hause mehrmals pro Tag eine Kälte- bzw. Wärmeanwendung auf die betroffenen Gelenke erfolgen. Zur Stabilisierung in normaler Stellung bzw. Korrektur von Fehlstellungen kann die Versorgung durch individuell angefertigte Schienen (Hand- bzw. Fingerschienen) sowie eine Einlagenversorgung notwendig werden. Eine zusätzliche Entlastung der Gelenke kann durch spezielle Hilfsmittel (z.B. Unterarmstützen, speziell angefertigte Roller bzw. Fahrräder) erzielt werden. Wichtig ist auch entsprechendes Training und Beratung, um die erkrankten Gelenke bei alltäglichen Verrichtungen (z.B. spezielles Schreibtraining) schonend einzusetzen.
C. Psychosoziale Betreuung:
Die schmerzbedingte Einschränkung der Alltagsaktivitäten, die tägliche Erfahrung der Beeinträchtigung im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern, chronischer Zeitmangel durch Termine aufgrund therapeutischer Maßnahmen, wiederholte Krankenhausaufenthalte, anhaltende Ängste hinsichtlich des weiteren Krankheitsverlaufes und die insgesamt daraus resultierenden Belastungen der gesamten Familie machen eine psychosoziale Betreuung unabdingbar. Möglichkeiten der psychologischen Unterstützung sind u.a. Patientenschulung durch spezielle Schulungsprogramme, regelmäßige Gesprächsgruppen bzw. Selbsthilfegruppen sowie verschiedene Therapieformen einschließlich Methoden zur Schmerzbewältigung.
Insgesamt ist deshalb die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer und sozialer Fachgruppen die entscheidende Voraussetzung, um langfristig ein optimales Behandlungsergebnis für diese Kinder und Jugendlichen zu erzielen.
7. Schule und JIA:
Im Vordergrund steht die Integration dieser Kinder und Jugendlichen in ihren Klassenverband und den normalen Schulalltag, damit diese Patienten in unserer auf sportliche Aktivität und Bewegung ausgerichteten Gesellschaft nicht auch in der Schule in eine Außenseiterrolle geraten.
Deshalb steht eine umfassende Information der Mitschüler und Mitschülerinnen über die Art der Erkrankung und der damit verbundenen Beeinträchtigungen an erster Stelle. So kann die für die JIA typische Morgensteifigkeit in den betroffenen Gelenken während der ersten Unterrichtsstunden noch andauern, dann aber im weiteren Verlauf sich legen. Oder typisch auch der schubartige Krankheitsverlauf mit monate- oder jahrelangen beschwerdefreien Intervallen.
Generell sollten diese Kinder von keinen Schulaktivitäten ausgeschlossen werden, Ausflüge in Schullandheime oder Klassenausflüge sollten so geplant und gestaltet werden, dass diese Kinder ohne Probleme daran teilnehmen können. Auch sollte auf Möglichkeiten geachtet werden, bereits den Schulweg dieser Kinder zu erleichtern.
Durch den Schulunterricht sollte keine zusätzliche Belastung der entzündeten Gelenke auftreten. Möglichkeiten hierfür sind:
Um unnötiges Treppensteigen zu vermeiden, sollte das Klassenzimmer im Erdgeschoss sein bzw. sollten die Kinder einen Zugang zum Aufzug haben. Auch sollten sich diese Kinder in den Pausen im Klassenzimmer aufhalten können. Hilfreich ist auch, den Unterrichtsplan so zu gestalten, dass der Unterricht die meiste Zeit in demselben Klassenzimmer stattfinden kann.
Durch einen 2. Satz Schulbücher kann eine zusätzliche Entlastung erreicht werden.
Auch ist auf eine gelenkschonende Arbeitshaltung im Unterricht, evtl. durch zusätzliche Hilfsmittel je nach betroffenen Gelenken, zu achten.
Bei einer Beteiligung der Hand- und Fingergelenke kann es zur Beeinträchtigung der Schreibfähigkeit kommen. Deshalb ist eine Verlängerung der Zeit bei Schulaufgaben wünschenswert. Auch während des regulären Unterrichtes ist auf die verminderte Schreibfähigkeit dieser Kinder Rücksicht zu nehmen. Bei sehr schwerer Symptomatik sollte auch der Gebrauch einer Schreibmaschine oder eines PC ermöglicht werden.
Bei krankheitsbedingten schulischen Ausfallzeiten sollte auch Förder- bzw. Sonderunterricht großzügig angeboten werden, falls notwendig auch Hausunterricht.
Eine besondere Bedeutung kommt auch dem Schulsport zu: bei einer akuten arthritischen Symptomatik steht eine Entlastung der Gelenke im Vordergrund, deshalb ist eine generelle Schulsportbefreiung notwendig. Bei Besserung der Entzündung sollten die Kinder die Möglichkeit haben, nach Rücksprache gezielt und ohne Benotung am Sportunterricht wieder teilzunehmen. Auch wäre zu empfehlen, den Stundenplan so zu gestalten, dass Sportunterricht am Ende oder am Anfang der Unterrichtstunden stattfindet.
Es sollte besonders darauf geachtet werden, dass rheumakranke Kinder und Jugendliche die Regelschulen besuchen. Sonderschulen für Körperbehinderte sollten weitestgehend vermieden werden.
Bei Jugendlichen sind auch frühzeitig Überlegungen zur späteren Berufswahl anzustellen und eine entsprechende Berufsberatung einzuleiten.
1. Definition der JIA:
Die JIA ist definiert als eine mehr als 6 Wochen andauernde Entzündung (= Arthritis) an mindestens einem Gelenk. Durch die Entzündung der Gelenkinnenhaut (= Synovitis) kommt es zu Ergussbildung, Überwärmung und schmerzhafter Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenkes. Eine Vielzahl anderer Erkrankungen, welche ebenfalls mit Gelenkbeschwerden einhergehen, müssen gleichzeitig ausgeschlossen werden. Auszuschließen ist vor allem die ´reaktive Arthritis´, welche als Folge einer (viralen bzw. bakteriellen) Infektionen in zeitlichem Abstand auftritt und ohne dauerhafte Gelenkschädigung abklingt.
2. Ursache - Häufigkeit der JIA:
Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren (z.B. genetische Veranlagung, äußere Einflüsse wie Infektionen) zusammentreffen müssen, um diesen Entzündungsprozess auszulösen.
In Deutschland erkranken jährlich ca. 750 – 900 Kinder und Jugendliche an einer JIA, dies entspricht einer Inzidenz (= Häufigkeit der Neuerkrankungen pro Jahr) von ca. 5 - 7 Erkrankungen / 100.000 Kindern und Jugendlichen < 16 Jahre / Jahr. Bundesweit ist insgesamt von 4000 – 5000 betroffenen Kindern auszugehen.
3. Einteilung der JIA:
Die juvenile idiopathische Arthritis stellt kein einheitliches Krankheitsbild dar, sondern wird ausgehend von dem klinischen Erscheinungsbild, der familiären Disposition bzw. spezieller Laborwerte in verschiedene Untergruppen eingeteilt, welche sich auch hinsichtlich der Prognose unterscheiden. Die zur Zeit international gültige Klassifikation ist im Nachfolgenden dargestellt:
- Systemische Arthritis : Neben einer Arthritis kommt es zu anhaltendem Fieber mit begleitendem Hautauschlag und möglicher Beteiligung innerer Organe (z.B. Herz, Leber, Milz). Diese Form beginnt meist im Kleinkindesalter und stellt die schwerste Verlaufsform der JIA dar.
- Polyarthritis : Bei dieser Form sind mindestens 5 Gelenke betroffen, typischerweise mit symmetrischem Gelenkbefall. Unterschieden wird hierbei die Rheumafaktor-negative Form von der Rheumafaktor-positiven Form , bei welcher der Rheumafaktor im Blut nachgewiesen wird. Letztere ist der rheumatoiden Arthritis des Erwachsenen ähnlich.
- Oligoarthritis : An dieser am häufigsten auftretenden Form erkranken vor allem Mädchen im Vorschulalter. Zu Beginn sind weniger als 5 Gelenke betroffen. Abhängig vom weiteren Krankheitsverlauf und der Anzahl der entzündeten Gelenke wird eine nicht fortschreitende (= persistierende) von einer ausgedehnten (= ´extended´) Oligoarthritis unterschieden.
- Mit einer Sehnenansatzentzündung (= Enthesitis) vergesellschaftete Arthritis : Häufig sind Jungen ab dem 8. Lebensjahr betroffen. Zusätzlich zu der Arthritis, vor allem auch am Übergang Wirbelsäule-Becken (= Sacroiliitis), treten typischerweise Beschwerden der Sehnenansätze am Knochen auf, außerdem lässt sich meist der Laborwert HLA-B 27 im Blut der Patienten nachweisen.
- Psoriasis ( = Schuppenflechte) - Arthritis : Neben der hierfür typischen Arthritis haben die betroffenen Kinder (bzw. deren Eltern) die für die Schuppenflechte typischen Haut- und Nägelveränderungen.
- Unklassifizierbare Arthritis : Arthritische Verlaufsformen, die sich nicht klassifizieren lassen, werden in dieser Subgruppe zusammengefasst.
Im Verlauf der Erkrankung kann neben den Veränderungen an den Gelenken auch ein Befall anderer Organe auftreten:
- An dem erkrankten Gelenk kommt es durch die rheumatische Entzündung zu einer schmerzentlastenden Schonhaltung. Aufgrund dieser andauernden Fehlbelastung entwickelt sich dann eine Veränderung der gesamten Gelenkstruktur, woraus letztendlich eine gelenktypische Fehlstellung mit Bewegungseinschränkung resultiert. Bei Fortschreiten der Erkrankung kann es dann zu im Röntgenbild sichtbaren Veränderungen am Knorpel bzw. Knochen kommen.
- Zusätzlich können durch den chronischen Entzündungsreiz bedingt lokale Wachstumsstörungen im Bereich der betroffenen Gelenke auftreten.
- Als rheumatische Augenbeteiligung ist die chronische Iridocyclitis zu erwähnen. Diese (im Gegensatz zu der akuten Form) meist symptomlos verlaufende Entzündung der Regenbogenhaut und des vorderen Augenabschnittes tritt vor allem bei der Oligoarthritis auf. Häufig sind Mädchen im Vorschulalter betroffen. Unbehandelt führt die chronische Iridocyclitis zu irreversiblen Folgeschäden, welche letztendlich zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung reichen. Es muss deshalb frühzeitig eine entsprechende medikamentöse Therapie erfolgen, des weiteren müssen die Kinder in regelmäßigen Abständen dem Augenarzt vorgestellt werden. Dadurch kann die Langzeitprognose dieser rheumatologischen Augenbeteiligung deutlich verbessert werden.
- Zusätzlich können andere innere Organe (z.B. Nieren, Herz) betroffen sein, wobei medikamentös bedingte Nebenwirkungen zu unterscheiden sind.
- Durch die chronische Entzündung kann es vor allem bei schweren Verlaufsformen der JIA neben den bereits erwähnten lokalen Wachstumsstörungen auch zu einer allgemeinen Verminderung des Wachstums bis hin zum Minderwuchs kommen. Zusätzlich ist eine Verzögerung der Reifeentwicklung zu beobachten. Dies kann vor allem für Jugendliche in der Pubertät emotional belastend sein.
Die Prognose der JIA ist von verschiedenen Faktoren abhängig: die jeweilige Untergruppe, die Schwere des Krankheitsverlaufes und eine frühzeitige Diagnose und Therapieeinleitung sind von Bedeutung. Insgesamt ist der Verlauf der JIA deutlich günstiger als die rheumatoide Arthritis der Erwachsenen. Es wird geschätzt, dass ca. 70 % - 90 % der Kinder und Jugendlichen mit einer JIA einen zufriedenstellenden Krankheitsverlauf ohne größere Beeinträchtigungen haben.
6. Therapie der JIA:
Die Therapie der JIA ist komplex und setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: der medikamentösen Therapie, der physikalischen bzw. Ergotherapie sowie der psychosozialen Betreuung.
a. Medikamente:
Ziel der medikamentösen Therapie ist eine Beseitigung der rheumatischen Entzündung in den betroffenen Gelenken. Es werden verschiedene Medikamentengruppen mit unterschiedlicher Wirksamkeit unterschieden:
-
Nonsteroidale Antiphlogistika (NSAID):
Diese nicht Kortison enthaltenden Medikamente stehen am Anfang der medikamentösen Therapie. Sie wirken sowohl schmerzstillend als auch entzündungshemmend und werden mehrmals am Tag als Saft oder Tablette verabreicht. Verwendet werden z.B. Naproxen, Indometacin und Diclofenac.
-
Krankheitsmodifizierende Medikamente / Immunsuppressiva:
Hierbei handelt es sich um deutlich wirksamere Medikamente, welche eine röntgenologisch nachweisbare Gelenk- bzw. Knorpelzerstörung verhindern sollen. Häufig eingesetzt wird Methotrexat (MTX) aus der Gruppe der Immunsuppressiva. Weitere Medikamente sind u.a. Hydroxy-/Chloroquin, Sulfasalazin, Azathioprin, Ciclosporin A sowie als neues Präparat Etanercept.
-
Cortison:
Cortisonpräparate haben einen hervorragenden entzündungshemmenden Effekt bei rheumatischen Erkrankungen, mit allerdings erheblichen Nebenwirkungen. Deshalb sollte die Therapie mit dieser Medikamentengruppe besonderen Indikationen vorbehalten sein, wie z.B. der Gabe direkt in das erkrankte Gelenk oder als Augentropfen bei der chronischen Iridocyklitis. Eine langfristige Cortisontherapie sollte dagegen aufgrund der Nebenwirkungen (insbesondere Minderwuchs) soweit wie möglich vermeiden werden.
-
Eine neue Therapieform ist die Stammzelltransplantation, welche aufgrund der Nebenwirkungen ausschließlich wenigen Kindern mit sehr schweren Verläufen und fehlendem Ansprechen auf sonstige Therapieversuche vorbehalten ist.
-
Eine zusätzliche Therapiemöglichkeit ist die operative Entfernung der entzündeten Gelenkinnenhaut (= Synovektomie), vor allem bei Befall eines einzelnen Gelenkes und fehlendem Ansprechen auf obige Medikamente.
-
´Alternative´ Therapiemöglichkeiten:
Eine eindeutige, wissenschaftlich gesicherte Wirksamkeit der verschiedenen ´alternativen´ Therapiemöglichkeiten (z.B. Homöopathie, Akupunktur) liegt im Augenblick nicht vor. Sollten keine Unverträglichkeiten mit obigen Medikamenten zu erwarten sein, spricht nichts gegen ein zusätzliches, von den Eltern häufig gewünschtes Therapieverfahren.
Die Nebenwirkungen sind dabei je nach Medikament unterschiedlich. Auswirkungen auf den Schulunterricht können dabei die häufiger auftretenden Beschwerden im Magen-Darm-Bereich (z.B. Übelkeit, Bauchschmerzen), seltener Symptome des zentralen Nervensystems (z.B. Konzentrationsstörungen) haben.
B. Physikalische Therapie – Ergotherapie:
Ziel ist es durch eine frühzeitige physikalische Therapie die gelenktypischen Fehlstellungen, welche sich aufgrund der entzündungsbedingten, schmerzentlastenden Schonhaltung entwickeln, zu verhindern bzw. zu korrigieren und damit auch wieder eine normale Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erzielen. Die Voraussetzung hierfür ist die regelmäßige Durchführung der physikalischen Therapie (je nach Krankheitsverlauf mehrmals pro Woche) durch speziell ausgebildete Krankengymnasten/innen. Ergänzend sollte dazu auch zu Hause mehrmals pro Tag eine Kälte- bzw. Wärmeanwendung auf die betroffenen Gelenke erfolgen. Zur Stabilisierung in normaler Stellung bzw. Korrektur von Fehlstellungen kann die Versorgung durch individuell angefertigte Schienen (Hand- bzw. Fingerschienen) sowie eine Einlagenversorgung notwendig werden. Eine zusätzliche Entlastung der Gelenke kann durch spezielle Hilfsmittel (z.B. Unterarmstützen, speziell angefertigte Roller bzw. Fahrräder) erzielt werden. Wichtig ist auch entsprechendes Training und Beratung, um die erkrankten Gelenke bei alltäglichen Verrichtungen (z.B. spezielles Schreibtraining) schonend einzusetzen.
C. Psychosoziale Betreuung:
Die schmerzbedingte Einschränkung der Alltagsaktivitäten, die tägliche Erfahrung der Beeinträchtigung im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern, chronischer Zeitmangel durch Termine aufgrund therapeutischer Maßnahmen, wiederholte Krankenhausaufenthalte, anhaltende Ängste hinsichtlich des weiteren Krankheitsverlaufes und die insgesamt daraus resultierenden Belastungen der gesamten Familie machen eine psychosoziale Betreuung unabdingbar. Möglichkeiten der psychologischen Unterstützung sind u.a. Patientenschulung durch spezielle Schulungsprogramme, regelmäßige Gesprächsgruppen bzw. Selbsthilfegruppen sowie verschiedene Therapieformen einschließlich Methoden zur Schmerzbewältigung.
Insgesamt ist deshalb die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer und sozialer Fachgruppen die entscheidende Voraussetzung, um langfristig ein optimales Behandlungsergebnis für diese Kinder und Jugendlichen zu erzielen.
7. Schule und JIA:
Im Vordergrund steht die Integration dieser Kinder und Jugendlichen in ihren Klassenverband und den normalen Schulalltag, damit diese Patienten in unserer auf sportliche Aktivität und Bewegung ausgerichteten Gesellschaft nicht auch in der Schule in eine Außenseiterrolle geraten.
Deshalb steht eine umfassende Information der Mitschüler und Mitschülerinnen über die Art der Erkrankung und der damit verbundenen Beeinträchtigungen an erster Stelle. So kann die für die JIA typische Morgensteifigkeit in den betroffenen Gelenken während der ersten Unterrichtsstunden noch andauern, dann aber im weiteren Verlauf sich legen. Oder typisch auch der schubartige Krankheitsverlauf mit monate- oder jahrelangen beschwerdefreien Intervallen.
Generell sollten diese Kinder von keinen Schulaktivitäten ausgeschlossen werden, Ausflüge in Schullandheime oder Klassenausflüge sollten so geplant und gestaltet werden, dass diese Kinder ohne Probleme daran teilnehmen können. Auch sollte auf Möglichkeiten geachtet werden, bereits den Schulweg dieser Kinder zu erleichtern.
Durch den Schulunterricht sollte keine zusätzliche Belastung der entzündeten Gelenke auftreten. Möglichkeiten hierfür sind:
Um unnötiges Treppensteigen zu vermeiden, sollte das Klassenzimmer im Erdgeschoss sein bzw. sollten die Kinder einen Zugang zum Aufzug haben. Auch sollten sich diese Kinder in den Pausen im Klassenzimmer aufhalten können. Hilfreich ist auch, den Unterrichtsplan so zu gestalten, dass der Unterricht die meiste Zeit in demselben Klassenzimmer stattfinden kann.
Durch einen 2. Satz Schulbücher kann eine zusätzliche Entlastung erreicht werden.
Auch ist auf eine gelenkschonende Arbeitshaltung im Unterricht, evtl. durch zusätzliche Hilfsmittel je nach betroffenen Gelenken, zu achten.
Bei einer Beteiligung der Hand- und Fingergelenke kann es zur Beeinträchtigung der Schreibfähigkeit kommen. Deshalb ist eine Verlängerung der Zeit bei Schulaufgaben wünschenswert. Auch während des regulären Unterrichtes ist auf die verminderte Schreibfähigkeit dieser Kinder Rücksicht zu nehmen. Bei sehr schwerer Symptomatik sollte auch der Gebrauch einer Schreibmaschine oder eines PC ermöglicht werden.
Bei krankheitsbedingten schulischen Ausfallzeiten sollte auch Förder- bzw. Sonderunterricht großzügig angeboten werden, falls notwendig auch Hausunterricht.
Eine besondere Bedeutung kommt auch dem Schulsport zu: bei einer akuten arthritischen Symptomatik steht eine Entlastung der Gelenke im Vordergrund, deshalb ist eine generelle Schulsportbefreiung notwendig. Bei Besserung der Entzündung sollten die Kinder die Möglichkeit haben, nach Rücksprache gezielt und ohne Benotung am Sportunterricht wieder teilzunehmen. Auch wäre zu empfehlen, den Stundenplan so zu gestalten, dass Sportunterricht am Ende oder am Anfang der Unterrichtstunden stattfindet.
Es sollte besonders darauf geachtet werden, dass rheumakranke Kinder und Jugendliche die Regelschulen besuchen. Sonderschulen für Körperbehinderte sollten weitestgehend vermieden werden.
Bei Jugendlichen sind auch frühzeitig Überlegungen zur späteren Berufswahl anzustellen und eine entsprechende Berufsberatung einzuleiten.
Glossar
Arthritis
- Gelenkentzündung
Antinukleäre Antikörper (ANA) - Laborwert, v.a. bei Oligoarthritis bzw. Iridocyclitis
Enthesitis - Entzündung des Sehnenansatzes am Knochen
HLA-B 27 - Laborwert, v.a. bei Sacroiliitis bzw. Enthesitis
Iliosakralgelenk - Gelenkverbindung zwischen unterer Wirbelsäule und Becken
Immunsuppressiva - direkt auf das Immunsystem wirkende Medikamente, dadurch Knorpel- / Knochenzerstörung hemmend; z.B. Methotrexat, Azathioprin, Ciclosporin A
Iridocyclitis - Akute oder chronische Entzündung der Regenbogenhaut und der vorderen Augenabschnitte
Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) - > 6 Wochen dauernde Arthritis an mindestens einem Gelenk nach Ausschluß anderer Ursachen
Krankheitsmodifizierende Medikamente - Medikamente, um eine röntgenologisch nachweisbare Gelenk- bzw. Knorpelzerstörung zu verhindern, z.B. Hydroxy-/Chloroquin, Sulfasalazin
Nonsteroidale Antiphlogistica (NSAID) - Nicht Kortison enthaltende Medikamente, schmerzlindernd, entzündungshemmend; z.B. Naproxen, Indometacin und Diclofenac.
Oligoarthritis - < 5 Gelenke betroffen
Polyarthritis - > 5 Gelenke betroffen
Psoriasis - Schuppenflechte
Rheumafaktor - Laborwert, v.a. bei Polyarthritis
Sacroiliitis - Entzündung des Iliosakralgelenkes
Stammzelltransplantation - neue Therapiemethode; aufgrund schwerer Nebenwirkungen und erhöhter Sterblichkeit nur bei Patienten mit sehr schwerem Krankheitsverlauf
Synovektomie - Operative Entfernung der Gelenkinnenhaut
Synovitis - Entzündung der Gelenkinnenhaut
Systemische Form der JIA - schwerste Form der JIA mit Arthritis und Beteiligung innerer Organe
Antinukleäre Antikörper (ANA) - Laborwert, v.a. bei Oligoarthritis bzw. Iridocyclitis
Enthesitis - Entzündung des Sehnenansatzes am Knochen
HLA-B 27 - Laborwert, v.a. bei Sacroiliitis bzw. Enthesitis
Iliosakralgelenk - Gelenkverbindung zwischen unterer Wirbelsäule und Becken
Immunsuppressiva - direkt auf das Immunsystem wirkende Medikamente, dadurch Knorpel- / Knochenzerstörung hemmend; z.B. Methotrexat, Azathioprin, Ciclosporin A
Iridocyclitis - Akute oder chronische Entzündung der Regenbogenhaut und der vorderen Augenabschnitte
Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) - > 6 Wochen dauernde Arthritis an mindestens einem Gelenk nach Ausschluß anderer Ursachen
Krankheitsmodifizierende Medikamente - Medikamente, um eine röntgenologisch nachweisbare Gelenk- bzw. Knorpelzerstörung zu verhindern, z.B. Hydroxy-/Chloroquin, Sulfasalazin
Nonsteroidale Antiphlogistica (NSAID) - Nicht Kortison enthaltende Medikamente, schmerzlindernd, entzündungshemmend; z.B. Naproxen, Indometacin und Diclofenac.
Oligoarthritis - < 5 Gelenke betroffen
Polyarthritis - > 5 Gelenke betroffen
Psoriasis - Schuppenflechte
Rheumafaktor - Laborwert, v.a. bei Polyarthritis
Sacroiliitis - Entzündung des Iliosakralgelenkes
Stammzelltransplantation - neue Therapiemethode; aufgrund schwerer Nebenwirkungen und erhöhter Sterblichkeit nur bei Patienten mit sehr schwerem Krankheitsverlauf
Synovektomie - Operative Entfernung der Gelenkinnenhaut
Synovitis - Entzündung der Gelenkinnenhaut
Systemische Form der JIA - schwerste Form der JIA mit Arthritis und Beteiligung innerer Organe
